Große Clubs in Köln?

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Nachdem Roland Schmitz die Odonien, Papierfabrik und Schrebergarten mitentwickelt hat wurde 2012 vom MENSCH Magazin dieses Interview mit ihm geführt. Hier für Euch nochmal exklusiv:

In einer der ältesten Kaffeeröstereien Kölns haben wir uns mit dem Kulturunternehmer von Köln getroffen: Roland Schmitz. Zwischen Röstmaschinen und Kaffeebohnen erklärte er uns, worauf es ankommt, wenn man in Köln einen Club eröffnen möchte und warum der Club Papierfabrik schließen musste.

Ich kenne dich vor allem im Zusammenhang mit der Papierfabrik. Das ist wohl das Bekannteste, an dem du beteiligt warst, oder?

Ja, jetzt in Köln war das mit Sicherheit so das Projekt, das die größte Aufmerksamkeit bekommen hat. Erstaunlich war, den Club gab es fünfzehn Monate und hatte unheimlichen Zuspruch bekommen von außen. Am Anfang war das Problem, dass viele Leute meinten, große Clubs in Köln funktionieren nicht. Alles muss immer klein sein.

Wie genau sah das Projekt Papierfabrik im Einzelnen aus?

Das Projekt Papierfabrik war eine alte Fabrikhalle, die sozusagen leer stand, ein klassischer Leerstand. Und so kam es, dass der Betreiber vom Sensorclub mich und meinen damaligen Partner Boris Witschke gefragt hat, ob wir Lust hätten, da einen Club zu machen. Und für uns war von vornherein klar, dass das ein limitiertes Projekt wird.

Was hältst du von den Bebauungsplänen für das Helios-Gelände? Was hältst du von der Bürgerinitiative?

Die Bürgerinitiative finde ich super. Ich finde es generell wichtig, dass es bei so großen Projekten eine Bürgerbeteiligung gibt. Letzten Endes werden da ja auch Entscheidungen getroffen, die Auswirkungen auf ein ganzes Stadtviertel haben, deswegen finde ich es wichtig, dass da viele unterschiedliche Leute dran beteiligt werden. Die Stadt gehört uns allen. Insofern finde ich das einen positiven Prozess. Das Problem ist halt, dass das Gelände nicht der Stadt Köln gehört und die Stadt kann dann zwar gewisse Bedingungen schaffen wie, so viel Quadratmeter sind Einzelhandelsfläche, damit es sich lohnt da ein Einkaufszentrum zu bauen. Es zeigt halt, wie wichtig es ist, dass sich Leute auch dafür interessieren, was in der Stadt passiert. Wie wenige lesen heutzutage noch die Tageszeitung und schauen sich an, was Lokal passiert. Also meistens ist es ja so, dass die Leute erst aufschreien, wenn es zu spät ist.

Noch mal zurück zur Papierfabrik, gab es danach Anschlussprojekte? Also Veranstaltungen im Bereich Nachtleben, Club, Techno?

Ja, wir mussten dann recht schnell ein neues Objekt finden und haben dann in der Hornstraße das Gelände „Schrebergarten“ gefunden. Das liegt direkt neben der Kanalstraße und zwischen mehreren Bahntrassen. Das Gelände ist für die Großstadt sehr besonders, man ist da umringt von Bäumen und Sträuchern – das ist ein unheimlich schönes Gelände. Ja, das haben wir dann erst mal ohne Konzession betrieben. Das war dann aber auch so, dass wir direkt bei der ersten Veranstaltung die Polizei und das Ordnungsamt vor der Tür stehen hatten.

Wann ging das los?

Das war im Juni letzten Jahres. Wir haben das Ganze auch ohne Werbung gemacht und teilweise nicht mal mit Facebook, also keine öffentliche Facebook-Veranstaltung, und hatten dann aber auch schon so einen Zulauf. Das hatte sich einfach so rumgesprochen. Dann haben wir dort unregelmäßig Partys veranstaltet.

Und die liefen alle erfolgreich?

Ja, die waren alle erfolgreich. Nur war es dann am Ende so, dass wir anonym angezeigt wurden und die Stadt Köln beziehungsweise das Bauamt und das Ordnungsamt enormen Druck ausgeübt haben, sodass da jetzt erstmal keine Veranstaltungen stattfinden können und das Ganze erstmal legal gemacht werden muss.

Was sagst du zu der RaucherEcke, die die Papierfabrik-Ep rausgebracht haben?

Die haben uns angefragt, ob die das machen dürfen und der Marcel Janovsky hat das dann bei seinem Label Treibstoff herausgebracht. Und anscheinend war es so, dass die davon inspiriert waren durch die Papierfabrik und die Partys da.

Was hältst du von dem Label 200?

Es gibt ja in Köln die verschiedensten Strömungen. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, ich werd dieses Jahr 40, und ich beschäftige mich seit Anfang der 90er Jahre mit Techno-Musik und hab dann auch den Köln-Sound verfolgt und fand das auch irgendwie immer klasse. Auch was aus dem Kompakt-Umfeld kam, weil die es geschafft haben, einen eigenen Sound zu kreieren. Also jetzt nicht irgendwie einen Sound zu kopieren, in den 90er Jahren war das ja so, Techno-Musik kam aus Detroit und die haben aber nicht versucht zu klingen wie Künstler aus Detroit. Die haben ihre eigene Interpretation gefunden.

Was macht für dich einen guten Act aus?

Der technische Part ist für mich gar nicht so wichtig. Mir ist die Person, die dahinter steht, wichtiger. Vor allem, welche Ausstrahlung sie hat und nach Außen vermittelt. Also jemand, der jetzt am Laptop spielt, oder jemand, der analoge Geräte aufgebaut hat, da weiß ich per se nicht, was besser ist, sondern kann er das transportieren – das finde ich viel entscheidender. Genauso steht für mich das Mixing nicht an erster Stelle, sondern für mich ist das vielmehr wie bei einem Fotograf, der braucht auch ein Auge für die Motive, da kann er technisch noch so gut sein, aber wenn er dieses bestimmte Auge nicht hat, bringt das nix.

Wie sieht da jetzt die Zukunft aus?

Das Projekt „Schrebergarten“ geht weiter, aber ich bin im Oktober dort ausgestiegen, mein ehemaliger Partner führt das jetzt alleine weiter fort. Ich selbst bin jetzt gerade eher in einer Orientierungsphase. Zum aktuellen Zeitpunkt interessieren mich vor allem die temporären Sachen, das kann ich mir zurzeit sehr gut vorstellen. Sowas wie einen Musikclub, der immer weiter wandert, wie ein Zirkus. Das fände ich sehr spannend.

 

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Pascal Schöning

Ich bin Pascal, studierter Designer und Typograf aus Köln. Als Jugendlicher bin ich über Graffiti zum Design gekommen und habe das Hobby nach der Schule zum Beruf gemacht und studiert. Nach etlichen Stationen in Design-, Werbe- und Contentagenturen – in denen ich zuletzt als Creative Director und Geschäftsführer tätig war – habe ich mich 2012 dann ganz selbständig gemacht um mehr Flexibilität für Reisen und eigene Projekte zu haben. Als Barbetreiber, Galerist, Veranstalter, Herausgeber und Verleger eines Magazins, Kommunikationsberater, Gründer einer Fotografenrepräsentanz und Kurator habe ich in den vergangenen Jahren vieles gemacht und dabei nie den Spass an der Arbeit als Designer und Creative Director verloren.

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